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Ein Käfig voller Narren

Alfons Haider Foto: Kurt Pinter

Mit „Ein Käfig voller Narren“ präsentieren die Seefestspiele Mörbisch im kommenden Jahr eine spektakuläre Produktion im Zeichen der Vielfalt. Wir sprachen mit Intendant Alfons Haider, der auch als Schauspieler mit auf der Bühne stehen wird. 

Wie kam es zur Idee „Ein Käfig voller Narren“ für die Seefestspiele Mörbisch 2026?

Ein Käfig voller Narren ist ein Musicalklassiker, der Humor, Herz und Haltung verbindet – und genau das macht ihn zur perfekten Sommerproduktion für Mörbisch 2026. Die Geschichte basiert auf einer französischen Boulevardkomödie und wurde durch den Film La Cage aux Folles zu einem internationalen Phänomen. Ich erinnere mich noch gut, wie ich den Film Anfang der 1980er Jahre im Kino sah und sofort von seiner Mischung aus Witz und Tiefgang begeistert war. Auch das Publikum weltweit war hingerissen. Als der Broadway dieses Potenzial erkannte, verwandelten Jerry Herman und Harvey Fierstein den Stoff in ein Musical voller Esprit, Glanz und Herz. Herausgekommen ist eine mitreißende Show-Revue, die nicht nur unterhält, sondern ein kraftvolles Plädoyer für Liebe, Toleranz und Akzeptanz darstellt. Genau diese Botschaft wollen wir in Mörbisch auf die große Bühne bringen – als Fest der Vielfalt, Lebensfreude und Menschlichkeit.

Die Bühne wird 2026 zur 60 Meter breiten Revuetreppe mit rund 40 Cagelles und Tänzern. Welche technischen und choreografischen Herausforderungen bringt eine Inszenierung dieser Dimension mit sich – und was darf das Publikum optisch erwarten?

Die technischen Herausforderungen auf der Seebühne in Mörbisch sind nahezu stückunabhängig – hier ist einfach alles unbeschreiblich groß. Bühnenteile, deren Gewicht selbst LKWs an ihre Grenzen bringen würde, werden von unseren Teams mit reiner Mannes- und Frauenkraft bewegt. Die Distanzen, die unsere Darstellerinnen  und Darsteller während einer Vorstellung zurücklegen, entsprechen fast einem Halbmarathon. Dieses Stück in ein bombastisches Spektakel zu verwandeln, ist die große Aufgabe von Regisseur Andreas Gergen. Er hat bereits mit Mamma Mia! bewiesen, wie perfekt er die Mörbischer Dimensionen zu nutzen versteht. Gemeinsam mit unserer Choreografin Faye Heather Anderson wird er auch diesmal dafür sorgen, dass unsere Inszenierung zu einem optischen Feuerwerk wird – voller Glanz, Energie und Lebensfreude.

Sie übernehmen selbst die Rolle des Albin/Zaza. Wie bereiten Sie sich auf diese ikonische Figur vor und wie fließen Ihre eigenen Überzeugungen zu Themen wie Identität und Toleranz in diese Rolle ein?

Ein Käfig voller Narren ist eine herzerwärmende Geschichte über Familie, Vielfalt und die Kraft der Liebe – und zugleich eine brillante Komödie. Die Familienkonstellation, die hier gezeigt wird, entspricht vielleicht nicht der Mehrheit in Österreich, aber sie hat genauso ihre Berechtigung und erzählt von universellen Werten: Zusammenhalt, Verantwortung füreinander und die Freiheit, man selbst zu sein. Familie – ob gewählt oder biologisch – sollte der Ort sein, an dem man ohne Maske existieren darf. Genau das fasziniert mich an der Rolle des Albin/Zaza. Für mich ist es ein großes Geschenk, diese Haltung auf der Bühne sichtbar zu machen – mit Humor, Herz und Wertschätzung.

Alfons Haider und Mark Seibert
Foto: Kurt Pinter

Der Welthit „Ich bin, was ich bin“ ist ein musikalisches Bekenntnis zur Selbstbestimmung. Welche Botschaft möchten Sie mit der Mörbisch-Inszenierung ins Heute tragen?

Ich bin, was ich bin ist mehr als ein Musical-Hit – es ist ein Bekenntnis zur Selbstbestimmung und zur Würde jedes Menschen. Mit der Mörbisch-Inszenierung möchten wir diese Botschaft ins Heute tragen: einen respektvollen Umgang miteinander, unabhängig von Hautfarbe, Herkunft, Geschlecht, Religion oder sexueller Orientierung. Ein Käfig voller Narren ist nicht die Geschichte einer bestimmten Familie,  sondern eine typische Geschichte für beinahe jede Familie, die plötzlich vor ungewöhnlichen Herausforderungen steht. Es ist ein Abend voller Humor, Herz, Situationskomik und berührender Momente, getragen von dem Mörbisch-typischen Bühnenbild und den großartigen Kostümen.

Das Casting für die 40 Cagelles läuft auf Hochtouren. Worauf achten Sie bei der Besetzung besonders – und welche Anforderungen müssen Künstler  für dieses spezifische Showformat erfüllen?

Unsere männlichen Cagelles müssen das können, was viele Frauen tagtäglich meistern – sich grazil auf High Heels bewegen. Aber im Ernst: Unser Ensemble muss wie jedes Jahr perfekt singen, tanzen und spielen können. Ein gutes Gleichgewicht auf Stöckelschuhen ist dabei sicher kein Fehler – ich selbst übe jeden Abend eine halbe Stunde in diesen „Foltergeräten“. Am Ende geht es aber nicht nur um Technik, sondern um Ausstrahlung: Wir suchen Künstlerinnen und Künstler, die mit Leidenschaft, Humor und Präsenz das Publikum mitreißen. Die Cagelles sind das Herz der Revue – und genau das soll man in jeder Szene spüren.

Mörbisch erreicht seit Jahren ein generationenübergreifendes Publikum. Wie möchten Sie mit „Ein Käfig voller Narren“ diese Breite erneut ansprechen – und was soll die Produktion im besten Fall bei den Menschen auslösen?

Die Seefestspiele Mörbisch stehen seit jeher für beste Unterhaltung – und genau das erwartet unser Publikum auch, wenn es eine Eintrittskarte kauft. Es gibt keine starren Erwartungen an das Stück selbst, was uns mehr Freiheit bei der Auswahl gibt, zugleich aber auch enormen Druck bei der Umsetzung. Mit Ein Käfig voller Narren wollen wir diese Freiheit nutzen, um ein Erlebnis zu schaffen, das gleichermaßen glanzvoll und berührend ist. Eine Show voller Witz und Emotion, die zugleich gesellschaftliche Relevanz hat. Im besten Fall gehen die Menschen nach Hause mit einem Lächeln im Gesicht – und mit dem Gefühl, dass Vielfalt und Toleranz nicht nur Themen auf der Bühne, sondern Werte für unser tägliches Miteinander sind.  

Ein Käfig voller Narren
16.Juli – 22. August 2026
www.seefestspiele-moerbisch.at