Die KUG bringt eine Uraufführung über den griechischen Totenfluss Styx auf die Bühne. Wir stellen Stück und Regisseurin* vor.
Liebe und Plattenbauten, lautet der Titel einer der jüngsten Romy-Lehmann*-Produktionen. Das weist recht eindeutig in Richtung Osten. Eben dort ist Romy zwei Jahre vor der Wende auf die Welt gekommen. Über ihre Kindheit erzählt sie, dass sie ständig umgezogen ist, drei Kindergärten und sechs Schulen besuchte. Die Sache mit den Umzügen lässt sich leider als Theatermacherin* schwer ändern. Romy hat viel Zeit an verschiedenen Häusern verbracht: als Regieassistentin*, Regisseurin*, Performerin*. Bei ihrer Arbeit am Studio in Marburg kam sie zum ersten Mal mit KUG-Studierenden zusammen, die dort im Rahmen einer Kooperation auftraten. Inzwischen in Leipzig, reist sie nun gen Graz, um gemeinsam mit einem ganzen KUG-Schauspiel-Jahrgang die Hauptproduktion zu entwickeln. (Ja, ja, zur Sache mit den Umzügen … siehe oben.)
Femizid in der Meerestiefe
Am Programm steht nicht weniger als eine Uraufführung: AM STYX von Allex. Fassberg (no pronouns) könnte ein Libretto sein – oder auch nicht. Der Untertitel des 2020 verfassten Theaterstücks ist bewusst mit einem Fragezeichen versehen. Fassberg widmet das Werk der schwedischen Journalistin Kim Wall, die im Alter von 30 Jahren tragisch auf einem U-Boot nahe Kopenhagen ermordet wurde. Die/Der Styx – das ungewisse Gewässer der Antike – darf sich bei Fassberg in Tönen, vielleicht musikalisch, zu Wort melden, wird klangliche*r Akteur*in. Gereist wird auch hier: hin und zurück. Charon, der Fährmann, begleitet sie alle: Femizid-Opfer, Alte und Selbstmörder:innen und den Kutscher Popatow. Allex. Fassberg – ausgezeichnet u. a. mit dem Münchner Förderpreis (2021) sowie dem in der Steiermark bestens bekannten Retzhofer Dramapreis (2017) – verfasst experimentelle und interdisziplinäre Theatertexte, blickt dabei auf gesellschaftliche und kulturelle Themen. Wortspiele, Wortakrobatik sowie Sprachkunst und -komik sind ein großer Bestandteil der musikalisch notierten Texte.

Foto: Jorien Gradenwitz
Vom Privileg, kreative Räume zu teilen
Für Romy Lehmann* ist es etwas sehr Besonderes, an einem so zentralen Punkt Teil der Ausbildung der jungen Künstler*innen zu sein. Überhaupt sieht sie ein Privileg darin, ihre eigenen Gedanken, Ideen und kreativen Räume zu teilen, mit anderen Künstler*innen etwas daraus zu entwickeln. Ihr Fokus liegt dabei – passend zum Zugang Fassbergs – auf queerfeministischen Perspektiven, Sprachkunst und Gegenwartsdramatik. Klingt kompliziert, ist aber nicht so. „Vor allem geht es mir darum, eine gut und konstruktiv verbrachte Lebenszeit zu teilen: auf wie hinter der Bühne – und im Publikum.“
Am Styx (UA)
von Allex. Fassberg
Regie: Romy Lehmann*
Dramaturgie: Gabriele C. Pfeiffer
Produktionsleitung: Benjamin Hrdina
Regieassistenz: Maria Sintow-Behrens
Schauspieler*innen: Studierende im 3. Studienjahr: Miriam Bahri, Gregor Gutschlag, Jonas Iwen, Tomris Lahusen, Milan Rosenblatt, Rebecca Rosenthaler, Jana Saretzki, Gregor Schuster, Emilie Willner
Bühne/Kostüme: Studierende der Bühnengestaltung Yvonne Beck
Fr 16., Sa 17., Di 20., Mi 21., Sa 24. & Mo 26.01.2026, jeweils 19.30 Uhr
Theater im Palais
Leonhardstraße 90, 8010 Graz













