
Nachdem die Steirische Kulturinitiative heuer u. a. die Kultur der Zwischennutzung in den Fokus setzte, richtet sie kommendes Jahr den Blick auf Utopien und Visionen für ein konstruktives Miteinander.
DIE KULTUR DER ZWISCHENNUTZUNG, das internationale Symposium Ende März 2025 – gewidmet der Zwischennutzung, die ein guter Motor für eine gelingende Gemeinschaft und ein Antrieb für Stadtentwicklung sein kann – legte viele Überlegungen und Strategien offen. Zwei Ausstellungen in Leerständen in Kooperation mit dem Verein Stadtteil Graz Reininghaus, im Raum der ÖSW Wohnbauträger GmbH, folgten der theoretischen Auseinandersetzung mit diesem Thema. WASTE ART STYRIA, kuratiert von Ina Loitzl und Nicole Pruckermayr, war mit verschiedenen Projekten, Versuchsanordnungen und Workshops darauf fokussiert, mit Dingen, die wir nicht mehr brauchen, zu experimentieren, und wie wir sorgsam mit Ressourcen umgehen können. Im Juni folgte die Ausstellung PROOF OF REST von Lisa Hopf. Sie forderte in einem immersiven Raumerlebnis sowohl die eigene Stringenz der Selbstoptimierung heraus als auch die Sicht auf die völlig veränderte Raumwahrnehmung des Edelrohbaus im Erdgeschoß des Mirror in Graz Reininghaus.
Zwei Schauplätze des Erinnerns
Die Ausstellung Schönes/edles/gebrauchtes/getötetes Tier in der Kunsthalle Graz, kuratiert von Nicole Pruckermayr, zeigte im September das umfangreiche und eindringliche Schaffen von Ingeborg Strobl (1949–2017) und ihrer Nichte, der Künstlerin, Comiczeichnerin und Musikerin Edda Strobl (1962). Beginn und Ende 2025 markieren das Gedenken an Srebrenica. 30 Jahre danach beschäftigten sich eine Reihe von Institutionen rund um die Kulturvermittlung Steiermark (Akademie Graz, Steirische Kulturinitiative, GrazMuseum, Manuskripte u. v. a.) jeweils mit Annäherungen an den Genozid, der in sehr naher Nähe zur Steiermark stattgefunden hat.

Foto: Nikolaos Zachariadis
Und das bringt 2026
„2026 widmet sich den Kunstschaffenden und ihren Ideen, die Utopien und Visionen für ein konstruktives Miteinander ins Zentrum ihrer Arbeit stell(t)en“, so Nicole Pruckermayr, Geschäftsführerin der Steirischen Kulturinitiative. Den Beginn macht im Februar eine vielstimmige Hommage an die weitläufige Arbeit des Historikers Gerhard Dienes (1953–2020). Ebenso im Februar zeigt die Kulturinitiative rund um das Thema visionär+konstruktiv die Arbeiten von vier jungen Künstlerinnen und Künstlern (Raphael Daum, Anna Donat, Florian Perl und Peter Rieser), die sich mit Fotografie, Malerei und den Medien dahinter beschäftigen – kuratiert von Nicole Pruckermayr, wieder im Erdgeschoß des Mirror der ÖSW Wohnbauträger GmbH. Aktive Gedenkarbeit begleitet das ganze Jahr 2026: Die Auseinandersetzung rund um irritierende Inszenierungen, konstruierte Bilder im Hier und Jetzt und innerhalb des Nationalsozialismus in der Steiermark steht im Fokus einer Gruppenausstellung im April/Mai. Gibt es Parallelen? Kunstprojekte werfen dazu kritische Fragen, aber auch Weiterführungen hin zu einer visuellen demokratischen Bildproduktion auf. Was passiert im Abseits, neben der Inszenierung, im OFF? Im Sinne einer zeitgenössischen Gedenkarbeit schließt die Reihe Die, die da sind an. „Es entstehen temporäre Kunstprojekte zu Menschen, die im Nationalsozialismus verfolgt, großteils getötet wurden. Das aktive Ins-Gedächtnis-Holen startet in Leoben, Schladming und Graz mit den Künstlerinnen Reni Hofmüller, Christina Lederhaas und Clara Oppel“, so Pruckermayr.

Foto: Julian Jauk
Sustainability extended
„Ökologisches Ausprobieren“ spinnt den Faden von Waste Art Styria weiter. In einer Reihe von Versuchsanordnungen stehen die Verwendung biologisch abbaubarer Materialien und ihre Verarbeitbarkeit im Zentrum von Kunstproduktion und Design. In Kooperation mit dem Institut für Architektur und Medien/TU Graz werden neue Arbeiten von fünf Künstlerinnen und Künstlern sowie Schülerinnen und Schülern der AHS Reininghaus entwickelt, die ebenso in Kooperation mit dem Verein Stadtteil Graz Reininghaus in einer Zwischennutzung zur Diskussion gestellt werden. „Die Künstlerin Beate Gatschelhofer und der Designer Jan Contala sind unter anderem dabei, um ihre Expertise sowohl weiterzuentwickeln als auch weiterzugeben.“ Im Oktober geht die Steirische Kulturinitiative nach Bonn und zeigt in Kooperation mit dem Kunstraum Raum für Kunst und Natur Arbeiten der in der Steiermark geborenen Künstlerin Sabina Hörtner. „Hörtners Arbeitsweise ist geprägt von sorgsamer Auseinandersetzung mit Räumen und ihrer Umwelt. Immer wieder findet sich auch das Thema der Patenschaft in ihren Arbeiten. Verletzlichkeit der Natur und des gesamten Organismus werden dabei spür- und sichtbar“, erklärt Pruckermayr. Hörtners mitunter großflächige Arbeiten wurden bisher in Österreich, aber auch in Belgrad, Budapest, Hong Kong, Los Angeles oder New York gezeigt.
Ida Maly in der Kunsthalle Graz
Ab November ist der Fokus auf das Werk einer besonderen Person gerichtet: Ida Maly (1894–1941). Die Ausstellung zur Künstlerin, die 1941 in Hartheim/Oberösterreich im Rahmen des „NS-Euthanasie-Programms“ ermordet wurde, findet in der Kunsthalle Graz statt. Maly entwickelte in der Zwischenkriegszeit mit ihrer Bildsprache ein formal und inhaltlich einzigartiges Werk, das nicht nur als Statement zu ihrer eigenen Situation zu lesen ist, sondern auch die politischen Verhältnisse widerspiegelt.

Foto: Sabina Hörtner
Gerhard Dienes und eine leichte Brise
Hommage und Buchpräsentation mit Peter Kunsek, Gerhard Balluch, Karin Schmiedlechner, Thomas Schmiedinger, Elke Murlasits u. a.
Sa, 7.2.2026, 17–21 Uhr, Museum für Geschichte, Sackstraße 16, 8010 Graz












