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Re-Imagine the Future

Sol LeWitts für den Space01 ortsspezifisch installierte Wall bildet die Basis, um in der Gegenwart Vergangenheit weiterzudenken und daraus Zukünftiges im Prozess der Auseinandersetzung zu projizieren Foto: N. Lackner

Das Kunsthaus Graz feiert mit einer differenzierten Reaktivierung der Geschichte und legt den Fokus auf weniger sichtbare Aspekte vergangener Projekte, neue künstlerische Produktionen sowie performative Interventionen.

„Auf ins Ungewisse!“ – der Aufruf der Kunsthaus-Architekten ­Colin Four­nier und Peter Cook – war und ist eine abenteuerliche Einladung, die Grenzen der eigenen Vorstellungskraft auszuloten und auf die Nachfrage nach alternativen Ideen und Utopien zu reagieren. Das Verweben einer Vielzahl möglicher Stränge aus der Geschichte in die Gegenwart und die Zukunft wird nun anlässlich des 20-Jahr-Jubiläums zum Leitmotiv für eine vielstimmige Spekulation mit dem Titel Re-Imagine the Future. Zu sehen sind Sol LeWitt’s Wall. Performed im Space01 sowie die Ausstellung The Other in Space02.

Jasmina Cibic, The Gallery of the Non-Aligned (Ted Karaska: Seated Indian Woman, Bolivia, a gift from Jelisaveta Demajo), 2023
Courtesy of the artist

The Other. Re-Imagine the Future

Die Gruppenausstellung The Other, kuratiert von Andreja Hribernik, behandelt Themen wie Identität, Geschichte, Zugehörigkeit und Ausgrenzung. Sie verweilt bei der paradoxen Position des Anderen als konstituierendes Element, aber auch als Störung. Denn im allgemeinen Verständnis ist der Begriff des „Anderen“ fast immer mit einer Abgrenzung, einer Trennung oder einer Unterscheidung von etwas oder jemandem verbunden. Trotz des aufgeladenen Konzepts des Anderen geht es in der Ausstellung auch um die Potenziale, die dem Anderssein in Bezug auf das gegenwärtige System innewohnen, das auf der Ausbeutung von Menschen, Natur und Ressourcen beruht und zu dem es keine Alternative zu geben scheint. Im Space02 lädt man dazu ein, die Erkundung jener asymmetrischen Beziehungen zu wagen, die einerseits das Ausbeutungsverhältnis aufrechterhalten und sich andererseits historischen und gegenwärtigen Alternativen zuwenden, die auf Solidarität und Kamerad*innenschaft setzen. The Other ist ein Impuls, diese Differenz als Öffnung für mögliche Zukunftsszenarien zu denken.

Zu sehen bis 18.2.2024 im Space02

Ausstellungsansicht The Other, Anetta Mona Chişas & Lucia Tkáčovás “The Glow”
Foto: J.J.Kucek

Sol LeWitt’s Wall. Performed

Das monumentale Werk Wall des bedeutenden amerikanischen Konzeptkünstlers Sol LeWitt wird nach 20 Jahren reaktiviert und im Dialog mit aktuellen künstlerischen Positionen rekontextualisiert. Als erste Einzelpräsentation im Kunsthaus Graz 2004 nutzte LeWitt den Space01 in Form einer geschwungenen, gestapelten Wand. Performativ erlebbar reflektierte sie die modulare Bauweise der Architektur, die industrielle Technologie und die außergewöhnlichen Dimensionen. Die Spezifität des Ortes spiegelt heute nicht mehr nur die Architektur wider, sondern umfasst ein breiteres Verständnis des Kontextes. Eine Mauer wird daher auch als politisches Statement gelesen. Kuratiert von Katrin Bucher Trantow wird LeWitts Wall nun für neun Monate eingeladenen Künstler*innen Raum für eine Reflexion ihrer konzeptionellen sowie ästhetischen Form geben. Sie wird zu einer Plattform, einem Podium, einer Bühne, die über das Überqueren, die Durchlässigkeit und die Performativität von Geschichte und letztlich auch über politische Grenzziehungen spricht. Sol LeWitt gibt hierfür ein Konzept vor, bei dem die Idee die essenzielle künstlerische Leistung ist.

Zu sehen bis 9.6.2024 im Space01

Société Réaliste, U.N. Camouflage, 2014
Foto: Elvis Kustulovic

Breit gefächertes Jubiläumsprogramm

Weitere Interventionen im und um das Kunsthaus ergänzen das Geburtstagsprogramm. So kommt etwa das Kellerkino bis 18.2.2024 wieder, in dem eine Screeningreihe Film- und Videokünstler*innen aus unterschiedlichen Kontexten und Generationen zusammenbringt. Außerdem wird ein Inklusions-Projekt von Finnegan Shannon gezeigt, das sich mit dem Thema Inklusion auseinandersetzt. Durch den Space04 und das Stiegenhaus zieht sich zudem ein Rückblick auf 20 Jahre Kunsthaus Graz und das Archiv. Über 1.200 Künstler*innen wurden in rund 150 Ausstellungen präsentiert. Nicht wenige von ihnen hatten im Kunsthaus ihren ersten großen Auftritt, einige kamen wieder, andere ließen Künstler*inneneditionen oder Projekte für die BIX-Medienfassade hier, die nun wieder zu sehen sind.    

Kunsthaus Graz
Lendkai 1, 8020 Graz     

www.kunsthausgraz.at