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Vom Dunkel ins Licht

Enrique Fuentes vor "Herbstkreuz" Foto: jennikoller

Nach der Premiere auf der Kunstmesse „Art at the Park“ im Wiener Luxushotel Park Hyatt im 1. Bezirk wird nun der Werkzyklus „Via Crucis – Der Kreuzweg“ im Steiermarkhof zu sehen sein. Wir sprachen mit dem in Mexiko geborenen österreichischen Künstler Enrique Fuentes über das Werk, Spiritualität und seine Kunst.

Text: Stefan Zavernik

Ihr Werkzyklus „Via Crucis – Der Kreuzweg“ ist aktuell im Steiermarkhof ausgestellt. Was hat Sie dazu gebracht, sich mit diesem Inhalt künstlerisch auseinanderzusetzen? Waren es religiöse Hintergründe?

Die Religion war prinzipiell für mich nicht das Ausschlaggebende. Es sollte kein sakrales Kunstwerk im klassischen Sinne werden. Es war eine reizvolle Möglichkeit, mich mit dem Thema Spiritualität aus gegebenem Anlass auseinanderzusetzen. Spiritualität findet sich für mich nicht nur in der Religion, sondern auch in der Kunst und in allen anderen Bereichen des Lebens, dort, wo Menschen ihren Berufungen folgen. Es geht darum, wie man sich mit der Welt und mit anderen Menschen verbunden fühlt.

Mit der Symbolik des Kreuzes hatten Sie sich im Rahmen einer Ausstellung im Steiermarkhof bereits vor einigen Jahren beschäftigt.

Es war eine Gemeinschaftsausstellung mit dem Titel Weg-Kreuz, bei der Künstler wie Günter Brus, Arnulf Rainer und Hermann Nitsch mit ihren Werken vertreten waren. Beim Kreuzweg Via Crucis habe ich das Kreuz mit Leben und Leidenschaft gefüllt. Mich interessiert es, in die Wiederholung eines Symbols künstlerisch einzutauchen und daraus eine Komposition entstehen zu lassen.

Foto: jennikoller

Das Werk „Die Auferstehung“ wurde letztes Jahr im Advent im Wiener Stephansdom der Öffentlichkeit präsentiert. Mit welchen Ideen sind Sie an die Arbeit dieses monumentalen Bildes herangetreten?

Ich wollte ein Werk schaffen, das sich in die Architektur einfügt und der Atmosphäre des Stephansdoms gerecht wird, der als einer der weihevollsten und schönsten Kirchenräume der Welt gilt. So als ob das Bild schon immer ein Bestandteil des Hauptaltarraumes gewesen wäre. Es war mir ein großes Anliegen, über die Kunst die Spiritualität in diesem einzigartigen Gebäude zum Ausdruck zu bringen. 

Der Zyklus sollte immer nur komplett gezeigt werden. Wieso?

Dieser Zyklus ist wie ein Buch. Nur ein paar Seiten daraus zu lesen, kann die ganze Geschichte nicht zum Ausdruck bringen. Wir zeigen die 14 Stationen. Die 15. Kreuzwegstation Die Auferstehung, wie sie im Stephansdom präsentiert war, können wir allerdings im Steiermarkhof nicht ausstellen. Da das Bild mit seinen 9 x 4 Metern schlicht zu groß ist. Im Rahmen meiner Arbeit am Bild Die Auferstehung sind kleinere Formate zu diesem Thema entstanden. Eines von diesen mit dem Format 2 x 2 Meter wird nun im Steiermarkhof als die 15. Station gezeigt. 

Welches Konzept steckt hinter dem Werkzyklus?

Viele Künstler haben sich mit dem Thema des Kreuzwegs auseinandergesetzt. Mein Ziel war es, einen neuen Zugang zu finden, Perspektiven zu wählen, die es bis jetzt noch nicht gab. Ich wollte nicht Schmerz, Bedauern und Bestrafung in den Mittelpunkt rücken. Stattdessen habe ich mich mit dem Dunklen und dem Licht beschäftigt, mit dem Tod und dem Leben, mit der Hoffnung und der Freude. Ich schuf mit der 15. Station die Überleitung vom österlichen Kreuzweg zum Advent. So stimmte im Wiener Stephansdom mein großformatiges Werk Die Auferstehung tausende nationale und internationale Besucher in die Vorweihnachtszeit ein.

Im Zuge der Ausstellung wird auch ein Buch zum Werkzyklus präsentiert.

Es ist mehr als ein Buch. Jedes Exemplar wird ein Unikat sein. Der Leineneinband bietet die Malgrundlage für ein „Bild zum Lesen“. Zusätzlich zur Buchpräsentation und der Ausstellung im Steiermarkhof bei Johann Baumgartner, der einleitende Worte zum Werkzyklus im Stephansdom sprach, präsentiert Marion Fischer, galerie art moments, in Zusammenarbeit mit einer Galerie in Port d’Andratx dieses Konzept „Una pintura para leer“ in den kommenden Tagen auch auf Mallorca.

Ihre bisherige Karriere steht in enger Verbindung mit zahlreichen Kunstgrößen Österreichs. Sie waren lange Zeit Assistent von Arnulf Rainer, Günter Brus ist Ihr Mentor. Was haben Sie von diesen Künstlern gelernt?

Ich habe von ihnen gelernt, wie man als Künstler lebt. Talent und Technik sind für einen Künstler wichtig. Viel wichtiger aber sind Disziplin und Einstellung. Man muss hart und professionell arbeiten.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Ich arbeite jeden Tag an meinen Ideen, konzeptioniere meine Arbeiten. Tatsächlich zu malen, die Farbe auf die Leinwand zu bringen, ist für mich nicht jeden Tag möglich. Malerei ist ein schöpferischer Prozess.

Was bedeutet für Sie Perfektion?

Ein schwieriges Thema. Das perfekte Bild ist aus meiner Sicht nicht zu schaffen. Eine der Fragen zu diesem Thema ist es, herauszufinden, wann ist ein Bild fertig.

Was wird Ihr nächstes großes Projekt werden?

Ich beschäftige mich mit dem Nibelungenlied. Mich fasziniert die Mythologie allgemein, in diesem Falle die Nibelungensage. In meiner Pariser Zeit habe ich zum ersten Mal das Filmepos Die Nibelungen von Fritz Lang gesehen. Seitdem setze ich mich mit diesem Sujet auseinander. Ich arbeite auch in diesem Zyklus wieder großformatig. Der Titel ist Der Traum der Nibelungen.   

Galeristin Marion Fischer, Künstler Enrique Fuentes und Dompfarrer Toni Faber im Wiener Stephansdom

Via Crucis von Enrique Fuentes
1.–27.4.2023
Eröffnung: 31.3.2023, 15 Uhr
Ekkehard-Hauer-Straße 33, 8052 Graz

Informationen zum Künstler Enrique Fuentes: Marion Fischer, galerie art moments
www.artmoments.at