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Spielplan 2020.2021 am Schauspielhaus: Wir spielen, sicher!

Intendantin Iris Laufenberg (re.) und die leitende Dramaturgin Karla Mäder präsentierten den Jahresspielplan des Schauspielhaus Graz Foto: Lex Karelly

Das Schauspielhaus Graz präsentiert einen attraktiven Spielplan für die kommende Saison.

Text: Wolfgang Pauker

Geplant, verworfen, geschoben, vertröstet, gehofft, gezweifelt und dann entschieden: „Wir planen so, dass wir sicher spielen werden! Das Schauspielhaus Graz wird auch in der Saison 2020.2021 in HAUS EINS einen Spielplan bieten, der die bisherige Linie des Hauses weiterführt und den Fokus auf Diskussion und Austausch anregender Unterhaltung mit zeitgenössischen Stoffen und neuen Thea­terformen legt“, so Intendantin Iris Laufenberg. Ergänzt wird das Programm durch große Namen und Klassiker, die auf heute relevante Themen hin untersucht werden. Fixiert wurde vorerst auch je eine Produktion für die Spielstätten von HAUS ZWEI und HAUS DREI.

Foto: Lex Karelly

Zeitgenössische und politische Stoffe

Eröffnet wird die Spielzeit am 11. September (gefolgt von einem Eröffnungskonzert am 18. September mit Sandy Lopicˇic´ & Band, dem Ensemble des Schauspielhauses & Friends) mit der österreichischen Erstaufführung von dritte republik (eine vermessung). teil drei der kronlandsaga von Thomas Köck in der Inszenierung von Anita Vulesica. Das zeitgenössische Stück ist ein starkes Statement gegen Nationalismus und ein glühendes Plädoyer für ein geeintes Europa. Auch die zweite Produktion Reineke Fuchs (Premiere: 2. Oktober) in der Regie von Mina Salehpour ist ein dezidiert politischer Stoff. Das beliebte Werk Johann Wolfgang von Goethes erzählt von einem Fuchs, der seinen Kopf durch geschickte Lügen aus der sprichwörtlichen Schlinge zieht. Gezeigt wird auch Elfriede Jelineks vielleicht heiterstes Stück Das Licht im Kasten (Straße? Stadt? Nicht mit mir!), in dem sich die große Unbequeme der österreichischen Dramatik kritisch mit dem Phänomen Mode und der Modeindustrie auseinandersetzt (Premiere: 20. November). In Making a Great Gatsby (Premiere: 11. Dezember) wird Regisseurin Claudia Bossard F. Scott Fitzgeralds 1925 erschienenen Roman für die Bühne adaptieren und sich mit den Goldenen Zwanzigern, Selbstinszenierung, Schein und Künstlichkeit beschäftigen. Neben dieser Groteske über den amerikanischen Traum nimmt sich Regisseurin Clara Weyde einer der berühmtesten politischen Satiren an und bearbeitet Charlie Chaplins 1940 erschienenen Film Der große Diktator, der gegen Nazi-Deutschland unmissverständlich Position bezog und ein Appell für Demokratie, Frieden und Menschlichkeit ist (Premiere: 9. April 2021). Auch die mobile Produktion Niemand wartet auf dich für Rathäuser und Gemeindesäle in der Steiermark, nach einem Stück der niederländischen Autorin Lot Vekemans, setzt sich mit Demokratie auseinander und handelt von Protagonistinnen, die es wagen, aus der Komfortzone zu treten, Verantwortung zu übernehmen und die Konsequenzen zu (er)tragen (Premiere: 22. September in HAUS DREI, später auch mobil).

Foto: Lupi Spuma

Shakespeare und neue Theaterformen

Im Spielplan finden sich auch zwei sehr unterschiedliche Dramen von William Shakespeare: Die im Probenprozess der letzten Spielzeit abgebrochene Produktion Macbeth wird in der Regie von Stephan Rottkamp nun am 5. Februar 2021 Premiere feiern und kontrastierend zu dem blutigen Drama um den Schottenkönig steht am Ende der Saison seine beliebteste Komödie Ein Sommernachtstraum in der Inszenierung von Markus Bothe auf dem Programm (Premiere: 14. Mai 2021).

Eine neue Form wird in der Spielzeit die beliebte Bürger*innenbühne annehmen: Geschichten von Grazer*innen werden verdichtet, bearbeitet und in Musik verwandelt vom Schauspielhaus-Ensemble aufgeführt werden. Inhaltlich dreht sich diesmal alles um Wissenschaft, Zahlen und Statistik(en): Was zählt in der Regie von Miriam Tscholl feiert am 15. Jänner 2021 Premiere. Nach der ersten und sehr erfolgreichen Erfahrung mit dem Monolog Judas als 360°-Filmaufnahme auf einer VR-Brille plant das Schauspielhaus Graz auch ein weiteres Experiment mit dieser neuen Thea­terform: Auch die für den Herbst vorgesehene Deutschsprachige Erstaufführung von Krasnojarsk des norwegischen Autors Johan Harstad, in der ein Forscher in einer entvölkerten Zukunft in der Einsamkeit Sibiriens auf eine Frau trifft, die in einem Koffer Aufzeichnungen schönster Erlebnisse der untergegangenen Menschheit bewahrt, wird mittels VR-Brille erlebbar sein.

Iris Laufenberg und Karla Maeder
Foto: Lex Karelly

Die Inszenierung Schleifpunkt der Schweizer Autorin Maria Ursprung wird im Rahmen eines Langen Autor_innenwochenendes von 1. bis 4. Oktober 2020 am Deutschen Theater Berlin zur Uraufführung kommen. Am 9. Oktober 2020 wird das Kammerspiel über eine Frau am Scheideweg schließlich auch in HAUS ZWEI zur Premiere kommen. Die Spielpläne von HAUS ZWEI und HAUS DREI werden im Oktober in Teil 2 des Spielzeit-Magazins der Öffentlichkeit präsentiert werden.

www.schauspielhaus-graz.com