Start Mode & Style Die Steiermark steht unter grünem Strom

Die Steiermark steht unter grünem Strom

Foto: Joel Kernasenko

Elektromobilität wächst: Nach dem E-Bike erobert nun auch das E-Auto Österreichs Straßen. Fortschrittliche Grazer können sich ab sofort im E-Mobil-Shop in der Elisabethstraße ein elektronisches Gefährt ausleihen. In Zukunft soll kein Steirer mehr weiter als 15 km bis zur nächsten E-Ladestation fahren.

Text: Julia Braunecker

Gute Nachrichten für die heimische Umwelt. Österreich entwickelt sich zum Vorzeigeland für Elektromobilität: Beim Anteil neu zugelassener E-Autos sind wir Spitzenreiter in der EU. Ab dem Jahr 2030 sollen überhaupt alle neu zugelassenen Autos abgasfrei durch die Straßen rollen. Immer öfter beteiligen sich Unternehmen jenseits der Automobilindustrie an der Energiewende. Hierzulande ist es die Energie Steiermark, die E-Mobilität möglich macht. Mit der Errichtung einer flächendeckenden E-Ladeinfrastruktur, einem E-Carsharing-Konzept und weiteren innovativen E-Mobilitätsprojekten investiert sie viel Energie in eine grüne Zukunft. Um auch das eigene Unternehmen in Richtung klimafreundliche Mobilität zu lenken, baut die Energie Steiermark ihren betriebsinternen Fuhrpark immer weiter aus. Derzeit sind mehr als 150 E-Cars und 500 E-Bikes in Betrieb, die von Kunden und Mitarbeitern genutzt werden.

Grün fahren, Kosten sparen

Für den modernen Autofahrer liegen die Vorteile schon lange auf der Hand: ­E-Autos sind sauber, leise und umweltfreundlich und stehen für viel Fahrvergnügen. Was Vordenker schon lange wussten, wird nun von den Studienergebnissen des Verkehrs­clubs Österreich und des österreichischen Klima- und Energiefonds bestätigt: In Sachen Schadstoffausstoß und Energiebedarf schneiden E-Autos deutlich besser ab als ihre Kollegen mit Verbrennungsmotor. Unter Berücksichtigung des Gesamtlebens­zyklus inklusive Batterieproduktion verursachen sie um 70 bis 90 Prozent weniger CO2-Emissionen und leisten somit einen entscheidenden Beitrag zu sauberer, gesunder Luft. Diese Vorteile spiegeln sich auch im Preis wider. Zwar sind E-Autos aufgrund der Batteriekosten in ihrer Anschaffung derzeit noch teurer. Ihre Betriebskosten betragen jedoch nur ein Drittel jener der Benzinautos. Und auch bei Reparatur und Wartung haben E-Autos die Nase weit vorne. Verschleißerscheinungen am Schaltgetriebe, an der Auspuffanlage oder am Verbrennungsmotor gibt es schlicht und einfach keine. Dafür eine staatliche Förderung beim Kauf eines E-Autos. Die Normverbrauchsabgabe sowie die motorbezogene Versicherungssteuer hingegen sind Geschichte.

Für den modernen Autofahrer liegen die Vorteile schon lange auf der Hand: E-Autos sind sauber, leise und umweltfreundlich und stehen für viel Fahrvergnügen. Foto: Königshofer

Leihen statt kaufen

Der neueste Trend: E-Carsharing. Immer mehr Stadtbewohner finden Gefallen daran, ein Auto nur dann zu verwenden, wenn sie es tatsächlich brauchen. Sie sparen sich die Anschaffungskosten und parken im gesamten Stadtgebiet gratis. Mit rund 60 landesweiten Verleihstandorten ist die Energie Steiermark einer der größten Elektromobilitätsverleiher Österreichs. Seit Ende November kann man sich im E-Mobil-Shop in der Elisabethstraße ein E-Auto seiner Wahl ausleihen. Das Konzept ist einfach: Nach erstmaliger Registrierung erhält der Kunde eine persönliche Mobilitätskarte, mit der er sich fortan zu jeder Tages- oder Nachtzeit ein Fahrzeug reservieren kann. Die ersten drei Stunden sind im Aktionszeitraum (bis 31. Dezember) gratis. Danach düst man um nur € 4,50 pro Stunde durch die Gegend. Ob ein Sprung in die Geschäfte oder Kaffeehäuser, ein gemütlicher Familienausflug am Wochenende oder der Transport des neuesten Einkaufs – all dies lässt sich so viel stressfreier erledigen.

Der neueste Trend: E-Carsharing. Immer mehr Stadtbewohner finden Gefallen daran, ein Auto nur dann zu verwenden, wenn sie es tatsäch-lich brauchen.
Foto: Joel Kernasenko

Projekt Panther: Alle 15 Kilometer eine Tankstelle

Für gelebte Mobilität ist ein flächendeckendes E-Ladenetz unabdingbar. Einerseits wollen sich die Fahrer darauf verlassen, dass eine E-Ladestation in der Nähe ist, andererseits möglichst wenig Zeit dort verbringen. Um flächendeckend an Strom zu kommen, braucht es also innovative Energieunternehmen, die  den Strom produzieren und E-Ladestationen bauen. Mit 220 E-Tankstellen und insgesamt 650 E-Ladepunkten zählt die ­Energie Steiermark zu den größten Errichtern in ­Österreich. Unter dem Titel „Projekt Panther“ soll die bestehende E-Ladeinfrastruktur bis zum Sommer 2018 ausgebaut werden. „Wir sehen in der E-Mobilität generell großes Potenzial und investieren derzeit 3,2 Millionen Euro in 150 neue Lade­punkte“, verkündet Vorstandssprecher Christian Purrer. „Unser Ziel ist, das Vorurteil, dass man E-Autos nirgends aufladen kann, abzubauen. Wir wollen die Reichweite von E-Mobilität erhöhen und damit für mehr Akzeptanz sorgen“, bestätigt Martin Graf, Vorstandsdirektor der Energie Steiermark. „Kein Steirer soll es mehr weiter als 15 Kilometer bis zur nächsten E-Lade­station haben.“ Und auch lange Ladezeiten gehören bald der Vergangenheit an: An zentralen Autobahnverbindungen sind 11 neue Schnellladestationen geplant, einige davon sind schon in Betrieb.

Roboter statt Briefträger    

Die Energie Steiermark ist bei verschiedensten Forschungsprojekten Partner. So auch bei einem Projekt der Technischen Universität Graz, bei dem in Kooperation mit der Post AG ein „E-Post-Roboter auf Rädern“ entwickelt wird. „Diese Innovations-Partnerschaft mit der Post eröffnet neue Möglichkeiten, die wir ganz offensiv entwickeln wollen“, so Christian ­Purrer. Ende Oktober wurde der grün-gelbe E-Post-Roboter erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Er fährt in Schrittgeschwindigkeit und ohne Fahrer zu unterschiedlichen programmierten Zielen in der Grazer Innenstadt. Vor der Haustüre informiert er die Adressaten per SMS über die Ankunft ihres Pakets. „Mit diesem Prototypen haben wir es geschafft, unsere Expertise in der autonomen Navigation von Robotern erfolgreich auf ein Elektrofahrzeug in einem städtischen Umfeld zu übertragen“, ist Gerald Steinbauer, Leiter der Arbeitsgruppe Autonome Intelligente Systeme vom Institut für Softwaretechnologie stolz.

V. r.: Peter Umundum (Post-Vorstand Paket und Logistik) mit den Vorständen der Energie Steiermark Christian Purrer und Martin Graf; Energie-Landesrat Anton Lang; Wirtschafts- und Wissenschaftslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl; Gerald Steinbauer (Projektleiter TU) und Martin Painsi (Prokurist i-Tec Styria)

Genussvolle Entdeckungsfahrten

Im Mai erfolgte der Startschuss für ein weiteres Vorzeigeprojekt der Energie Steiermark: das Genussmobil. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, über den Tellerrand unseres Kerngeschäftes hinaus neue Produkte und Angebote zu entwickeln. Das Genussmobil ist ein gutes Beispiel dafür. Unser Tochterunternehmen NEXT hat für diese Idee steiermarkweit bereits 13 innovative Partner aus der Hotellerie und Gastronomie gefunden“, berichtet Christian Purrer. Eine Fahrt mit dem flotten BMW i3 führt die Passagiere zu den schönsten Ausflugszielen der grünen Mark. Der Bordcomputer kennt nicht nur die Sehenswürdigkeiten, sondern auch kulinarische Geheimtipps der Region. Zu den neuesten Projektpartnern zählen das Aiola im Schloss, Aiola upstairs, Café Promenade und der Landhauskeller. Sie bieten ihren Gästen unter dem Slogan „Aiola fährt Genussmobil“ ab sofort zwei individuelle Genusstouren an. „Das Genussmobil ist für uns eine außergewöhnliche Möglichkeit, sich auf kulinarische Entdeckungstour zu begeben“, schwärmen Judith und Gerald Schwarz, Geschäftsführer der Aiola-Betriebe. Auch Christian ­Purrer zeigt sich über die neue Kooperation erfreut und fügt hinzu: „Parallel zum Ausbau und zur Aufrüstung der E-Ladestationen legen wir den Fokus auf die Erzeugung von grünem Ökostrom – etwa beim Murkraftwerk Graz oder dem neuen Windpark auf der Handalm. Wer auch immer elektrisch unterwegs ist: Nachhaltig und CO2-frei ist es nur dann, wenn der Strom dafür zu 100 Prozent aus Wasserkraft, Wind oder Sonnenergie kommt.“

Neuester Partner des Genussmobils: die Aiola-¬Gruppe von Judith und Gerald Schwarz.
Foto: Heldentheater

 

E-Mobil Shop Graz, Elisabethstraße 88, 8010 Graz, Öffnungszeiten: Mo–Fr, 9–15 Uhr

Nach erstmaliger Registrierung (Führerschein erforderlich) und Erstellung der persönlichen E-Carsharing Mobilitätskarte kann rund um die Uhr online ein E-Fahrzeug reserviert werden.

Carsharing-Kosten: € 4,50 pro Stunde (bis 31.12.2017), ab 1. Jänner 2018: € 9,00 pro Stunde. Kontakt: emobil@e-steiermark.com / +43 316 9000 521 00