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Enrique Fuentes im Interview: Kunst, eine universelle Sprache

Enrique Fuentes in seinem Wiener Showroom

Enrique Fuentes ist als Künstler eng mit der Steiermark verbunden. Über Ana Brus entwickelte sich für den gebürtigen Mexikaner eine jahrelange Zusammenarbeit mit Günter Brus. „Achtzig“ traf Fuentes im Vorfeld der Ausstellung in der Grazer Hofgalerie zum Interview.

Text: Stefan Zavernik

Aktuell sind Sie im Rahmen einer großen Gemeinschaftsausstellung mit Günter Brus in der Grazer Hofgalerie vertreten. Was verbindet Sie mit Günter Brus? Als Freund und als Künstler?

Ana Brus! Die Verbindung war immer Ana. Der Anfang ist mir obskur, wie in einem Traum, als ob es keinen gäbe. Wir haben uns verstanden; auf der menschlichen und auf der intellektuellen Seite – die  Musik, die Literatur, die Kunst – das Leben halt – das verbindet. Sie war diejenige, die die Kollaboration zwischen Brus und mir als eine gute Möglichkeit vorhergesehen hat. Danach war es immer eine Verbindung über die Kunst, die sich notwendig und selbstverständlich entwickelt hat. Die meisten der Gemeinschaftsarbeiten sind bei Brus in seinem Atelier in Graz entstanden. Nachts wurde gemalt, beim Frühstück wurde zu dritt am Tisch das Kunstergebnis präsentiert und darüber diskutiert.

Auf welche Art und Weise hat die jahrelange Zusammenarbeit mit Günter Brus Einfluss auf Ihre eigene Kunst ausgeübt, bzw. diese inspiriert?

Ich war 14 Jahre in Paris, wo ich auch die Kunstakademie besucht habe. Als ich nach Österreich kam, habe ich das erlebt, was ich eine sogenannte „kulturell gesunde Gesellschaft“ nenne. In Österreich interessiert man sich und beschäftigt man sich tatsächlich mit der Kunst – nicht nur für die bereits etablierte Kunst im obersten Segment, sondern auch für jüngere, neue Kunst. Seit ich die Chance hatte, Brus und seine Arbeit in direkter Nähe zu studieren, habe ich wieder begonnen, mich sehr mit Zeichnung zu beschäftigen – die Motivation, in diesem Metier weiter zu machen, kam von Brus, da er zu mir sagte, dass ich „ein Zeichner wäre, der schon ganz in Ordnung sei“. Als ich bei Brus war, hat Ana immer dafür gesorgt,  dass es  das schönste Papier im Atelier gab. Wiederum war sie der Katalysator für diese Zusammenarbeit.

Welche Kunstwerke werden in der Hofgalerie zu sehen sein?

Zwei Hauptserien, Schwarze Aufzeichnungen und Catrina die Große, die Brus und ich gemeinsam gemacht haben. Ich denke, die Besucherinnen und Besucher haben mehr von der Ausstellung, wenn sie den Kunstwerken komplett unvoreingenommen begegnen. Für all jene, die sich nach der Ausstellung tiefer mit den Kunstwerken auseinandersetzen möchten, wurde ein Katalog produziert, der vor Ort erhältlich sein wird. Ich freue mich schon sehr auf diese Ausstellung!

In diesem Jahr werden Sie mit einer großen Personale in einem der bedeutendsten Museen Mexikos zu sehen sein. Was bedeutet Ihnen dieses Projekt persönlich?

Als ich vor 20 Jahren von Mexiko wegging, habe ich mir gewünscht, in der internationalen Kunstszene involviert zu sein. Was ich mir nie erwartet hätte, war, dass ich auch Maestros wie Brus kennenlernen würde und noch weniger, dass ich mit ihm gemeinsame Kunst machen durfte. Seit damals war ich in den USA, in Europa und Japan mit meiner Kunst unterwegs. Jetzt, wo mir in Mexiko eine 20-Jahre-Retrospektive in drei Museen gewidmet wird, erinnert es mich daran, woran ich glaube, und zwar, dass Kunst eine universelle Sprache ist.

Sie leben und arbeiten seit vielen Jahren in Österreich, waren einst persönlicher Assistent von Arnulf Rainer. Wie sehr hat Sie Österreich als Künstler geprägt?

Ich bin in Mexiko aufgewachsen und die Kunst, die ich damals gesehen habe, waren die Abstrakten Expressionisten aus den USA. Dieses Element habe ich auch in den Arbeiten von Rainer wieder gefunden, da er sich teilweise für den Abstrakten Expressionismus interessiert hat und dieses Element verbunden hat. Bei Brus ist es wiederum ein ganz anderes Phänomen, Brus ist ein extrem vielfältiger Künstler, der einfach alles kann. Eine Inspiration, eine Quelle – sozusagen. Ich habe nicht nur über Kunst gelernt, sondern spezifisch über österreichische Kunst. Brus ist für mich wie ein „Künstlerischer Vater“ und ich bin ein Geheimnisträger.

Welche Themen beschäftigen Sie als Künstler zurzeit?

Die Blaue Stunde  und Winterreise  sind wichtige Serien, die in der österreichischen Kunstgeschichte ihre Referenz finden. (Ingeborg Bachmann, Franz Schubert). Zurzeit beschäftige ich mich auch mit der Dichtkunst von Brus – also Brus als Dichter, um eine neue Serie zu produzieren.

Welche Galerie vertritt Sie?

Als Galerie vertritt mich die galerie art moments von Marion Fischer. Sie präsentiert meine Kunst in ihren Räumlichkeiten in Graz und Wien. Ebenso auf diversen Kunstmessen, wie auf der Fair for Art im Oktober in Wien.

galerie art moments: Falkestraße 6, 1010 Wien & Burggasse 16, 8010 Graz