Start Reise Kultur in Slowenien: Vielfältig, verspielt und verlockend

Kultur in Slowenien: Vielfältig, verspielt und verlockend

Primaballerina Svetlana Zakharova Foto: Vladimir Fridkes

Kommenden Sommer bietet Slowenien wieder ein reichhaltiges Kulturangebot. Alte sowie moderne Musik, Ballett, Theater und Bildkunst warten nur wenige Autostunden von Graz entfernt auf Kulturliebhaber und Sommerurlauber. 

Text: Tabea Hänsel

Slowenien überzeugt seit Jahren mit einem abwechslungsreichen Sommerprogramm, bei dem für jeden Geschmack etwas dabei ist. In der Hauptstadt lockt das bekannte Ljubljana Festival mit legendären Stargästen, wie beispielsweise Plácido Domingo, renommierten Klassikern der Oper und des Musicals. Das Festival Lent in Maribor hingegen überzeugt mit kraftvollem Rock, erstklassigem Jazz, Theater für Kinder sowie leidenschaftlichen Tanzrhythmen. Abseits der großen Bühnen sind die romantischen Kulissen der Küstenstädte Piran und Koper, wo das Tartini-Festival stattfindet, aber auch Ptuj und die Burg Brežice attraktive Veranstaltungsorte für zeitgenössische Kunst und Alte Musik. Wer es ­moderner mag, ist im Soca-Tal genau richtig. Dort wird zu ­Reggae, Punk Rock und Metal ausgelassen gefeiert.

Bombino kommt nach Maribor.
Foto: Miro Majcen

Operngenüsse, Musicalhighlights und Primaballerina

Das 67. Ljubljana Festival wird Anfang Juli mit Giuseppe Verdis Oper Aida eröffnet. Seit der Uraufführung im Jahr 1871 wurde die in Ägypten spielende Oper unzählige Male inszeniert, sie ist zu einem festen Bestandteil des Repertoires von Opernhäusern auf der ganzen Welt geworden. Im Zentrum der Handlung befindet sich ein typisches Liebesdreieck. Aida wird vom Ljubljana Festival gemeinsam mit der Slowenischen Philharmonie, dem Slowenischen Nationaltheater Maribor und dem Kroatischen Nationaltheater Split produziert und von Ivo Lipanovic´ dirigiert. Bereits Mitte Juni bringt Ljubljana den berühmten Komponisten Verdi auf die Bühne: Sein episches Gesangs- und Instrumentalstück Requiem wird mit besonderer Besetzung – dem weltberühmten Tenor Plácido Domingo – aufgeführt. Nicht als Solist, sondern als Dirigent wird Domingo dieses epochale Werk in der wichtigsten Kultureinrichtung Sloweniens, nämlich im Kongresszentrum Cankarjev Dom anleiten.

Placido Domingo
Foto: Pedro Walker

Im Jahr 1868 komponierte Verdi das Requiem anlässlich des ersten Todestages des Komponisten Giacomo Rossini. Neun Tage vor der Premiere wurde die Vorstellung jedoch abgesagt, Verdis Beitrag zur geplanten Requiem-Messe wurde beiseitegelegt und vergessen. Fünf Jahre später beschloss der Komponist, das fertige Werk dem kürzlich verstorbenen Schriftsteller und Humanisten Alessandro Manzoni zu widmen, die Uraufführung 1874 dirigierte Verdi selbst. In Ljubljana werden neben Plácido ­Domingo als Dirigent, ­Elvira Hasanagic´  (Sopran), Annalisa Stroppa (Mezzo­sopran), Arturo Chaco`n-Cruz ­(Tenor) und Roberto Tagliavini (Bassbariton) zu sehen sein. Die Oper La Traviata von Verdi wird diesen Sommer ebenfalls nicht fehlen. Auch Musical-Liebhaber kommen nicht zu kurz: Der Klassiker Grease in einer Fassung von Jug Radivojevic´ feiert im Sommertheater Križanke seine Premiere in Slowenien und Mamma Mia! wird im August wieder zu sehen sein. Außerdem erwartet Besucher zeitgenössischer Tanz mit der italienischen Company Aterballetto sowie Flamenco und anmutiges Ballett mit der Primaballerina Svetlana Zakharova. Renommierte internationale Orchester und zahlreiche Virtuosen der Klassik, wie beispielsweise Vadim Kolodenko und Alena Baeva runden das reichhaltige Kulturprogramm der Festspiele in Ljubljana ab.

Die Oper Aida eröffnet das Ljubljana Festival 2019
Foto: Aljosa Rebolj

Balkanatmosphäre, Tanzrhythmen der Karibik, Theater und Jazz

Mit mehr als 40 Veranstaltungsorten in Maribor ist das Festival Lent das größte multikulturelle und genreübergreifende Open-Air-Festival in Slowenien und eines der größten in Europa. Die beliebte osteuropäische Band Dubioza kolektiv wird auf dem Leon-Štukelj-Platz das diesjährige Festival eröffnen. Das kultige ­Balkan-, Ska-, Punk-, Reggae- und Rock-Ensemble zeichnet sich durch seine Energie, aufschlussreiche Texte und außergewöhnliche Bühnenauftritte aus. Am vorletzten Festivalabend tritt auf demselben Platz der international erfolgreichste Musiker und Produzent der elektronischen Szene in Slowenien zum ersten Mal bei Lent auf – Umek. Wer es jazziger mag, der ist bei Bombino richtig. Die neue Stimme der Sahara wurde letztes Jahr für den Grammy Award für das beste „World Music“-Album nominiert. Viele haben Bombino inzwischen als „den besten Gitarristen der Welt“ bezeichnet. Für die Kleinen wartet Theater mit den beliebten Figuren: Pippi, Pinocchio und Aschenputtel als Puppentheater. Gefeiert wird diesen Sommer mit dem Garifuna Collective, einer Musikgruppe aus der Karibik. Die Garifuna-Sprache, -Tänze und -Musik wurden von UNESCO sogar zum Weltmusikerbe erklärt. Die modernen Tanzrhythmen, gepaart mit leidenschaftlicher Begeisterung, lassen keinen still sitzen. Mit seiner fast dreißigjährigen Tradition ist Lent viel mehr als ein Festival mit Staraufgebot, es ist eine vielschichtige Verflechtung von Kultur, Kunst, Musik, Theater, Kulinarik und Geselligkeit, das Besucher jeden Alters und jeden Geschmacks anspricht. Auf den Straßen, öffentlichen Plätzen, unter den Baumkronen des Parks und am Ufer der Drau wird Lent für Einheimische und Touristen zum unvergesslichen Erlebnis.

Garifuna Collective beim Festival Lent.
Foto: Matej
Pusnik

ART STAYS: „Was bringt die Zukunft?“

Die älteste Stadt Sloweniens, Ptuj, ist nicht nur Schauplatz des Poesie- und Wein-Festivals oder des Musikfestivals Arsana, inklusive Percussion, Jazz und Rock. Der 2003 gegründete Kultur- und Kunstverein ART STAYS versucht Ptuj auch zu einem Zentrum für exzellente zeitgenössische Kunst zu machen und so internationalen Kunstschaffenden als Inspirationsquelle zu dienen. Das Festival, das heuer bereits zum 17. Mal stattfindet, wird sich 2019 hauptsächlich auf visuelle Kunst konzentrieren. Unter dem Motto „FUTURE“ versucht man Antworten auf die Frage zu finden, die jeden auf die eine oder andere Art und Weise beschäftigt: Was bringt das Morgen? Künstlerinnen und Künstler werden ihre verschiedenen Interpretationen der nahen oder fernen Zukunft in Form von Malerei, Video, Installationen und Foto­grafie darstellen. Unter anderem wird die Malerin und Kostümdesignerin ­Andreja Srna in der Galerie FO.VI zu sehen sein. Themen früherer Festivals, wie beispielsweise Klimaerwärmung, politische Konflikte sowie soziale und wirtschaftliche Unterschiede, spielen auch dieses Jahr wieder eine Rolle.

Alena Baeva