Start Interviews Oper Graz: Eine tänzerische Reise durch das Jahr

Oper Graz: Eine tänzerische Reise durch das Jahr

Foto: Ian Whalen

Haydns Oratorium „Die Jahreszeiten“ interpretiert Ballettdirektorin Beate Vollack als Tanz durch eine Gemäldegalerie.

Text: Bettina Leitner

Hitze, Schnee, Sturm und Sonnenschein durchziehen im Wechsel das Jahr. Wie werden Sie diese Spannungen mithilfe des Balletts auf die Bühne bringen?

Um diese Spannungen und die schnellen Wechsel der Musik, des Wetters und der Emotionen auf der Bühne zeigen zu können, haben Ausstatter Jon Morrell und ich entschieden, unsere Jahreszeiten in einem Museum spielen zu lassen. Wir nutzen Gemälde aus den unterschiedlichsten Epochen und Stilen als Inspiration für unsere Szenen und den Tanz. Somit können wir den rasanten musikalischen Emotionen folgen.

Im Stück werden Bilder aus unterschiedlichen Epochen und Stilen zum Ausgangspunkt der tänzerischen Reise durch das Jahr. Inwieweit spiegeln sich die unterschiedlichen Stile auch im Tanz wider?

Beate Vollack
Foto: PhotoWerK

Ganz massiv. Ich habe mich von den Bildern nicht nur inspirieren, sondern auch fordern lassen. Wobei als Erstes immer die Entscheidung fallen musste, ob dieses Gemälde lebendig werden und für das Publikum tanzen soll oder ob es Inspiration für unsere Darsteller zu einem Tanz ist oder ob wir Teil dieses Gemäldes sein möchten. Es gibt also eine abwechslungsreiche und bunte Mischung an diesem Abend zu erleben. Nicht nur die Tänzer, Sänger und Darsteller, sondern auch das Publikum darf ein ganz besonders vielfältiges Erlebnis erwarten.

Zum Herbst sagte Haydn selbst, er „habe noch nie so eine besoffene Fuge komponiert“. Ist diese Verkörperung des Herbstes auch für Sie eine Herausforderung und wie werden Sie diese meistern?

Nicht nur der Herbst, sondern das gesamte Oratorium stellt eine große Herausforderung dar, der ich mich gerne stelle. Jede musikalische Jahreszeit hat ihre Höhepunkte und Nüsse zu knacken. Bacchus und diese „besoffene Fuge“ stellten mich nicht vor die größte Herausforderung. Denn als ich einmal beschlossen hatte, Haydn wörtlich zu nehmen und alles etwas „besoffen“ zu choreographieren – indem Bacchus höchst persönlich zu uns vom Olymp herabsteigt, um mit seinen Bacchanten und Bacchantinnen ein wahres „Tanz-Gelage“ auf die Bühne zu bringen –, war es ein Leichtes, dies mit dem nötigen Augenzwinkern und der nie enden wollenden Kreativität meines Teams und mir zu füllen. Ob dies allerdings einem echten steirischen Herbstgelage standhält, von dem ich schon so viel gehört habe, werde ich hoffentlich bald erfahren. Also lassen Sie sich überraschen, so wie ich mich.

Foto: Ian Whalen

So vielfältig wie das Jahr sind auch die Elemente in Haydns Oratorium. Gibt es Themen oder Elemente, die Sie in Ihrer tänzerischen Interpretation besonders herausstreichen wollen? 

In Haydns Oratorium hat der Chor eine zentrale und wichtige Rolle. Diese war für mich Ansporn, einen Abend für eine Ballettkompanie als geschlossenes Ensemble zu schaffen. Ballett und Chor sollen miteinander harmonieren und nicht diametral agieren. Genauso wie Haydn die Stimmgruppen der Sänger und des Chors miteinander zu einem Ganzen erklingen lässt, setzt sich die Ballettkompanie aus 18 individuellen Tänzer-Solisten zusammen. Sie erleben eine einzigartige Mischung verschiedener Kunstformen auf unserer Bühne, die nur alle zusammen und niemals einzeln diesen Abend zu etwas ganz Besonderem machen. Außerdem ist und war Haydn ein Meister der Fuge. Diese Fugen auch tänzerisch und somit für das Publikum auch optisch erlebbar zu machen, ist eines meiner weiteren Ziele für diesen Abend. Als Drittes und Letztes lag mir die Abwechslung und Mischung eines losen Straußes bunter Blumen und Blätter ohne strikte Handlung und doch mit eigenem Duft am Herzen. Ich wollte das Publikum den Reichtum der Musik und der Natur für zwei Stunden auf der Bühne erleben ­lassen. Wir haben daher an nichts gespart, um Ihnen einen unvergesslichen Abend zu bereiten. Denn obwohl wir und die Natur einem Zyklus unterliegen, ist das Leben und jeder Tag doch immer wieder neu und anders. In diesem Sinne: Genießen Sie jeden einzelnen. Bacchus würde sagen: ­Juche! Juhe! Juche, es lebe der Wein …!

Premiere: Sa, 27.4.2019, 19.30 Uhr

Weitere Termine: Do, 2.5., Mi, 8.5., Mi, 15.5., Fr, 17.5., Fr, 24.5., Sa, 15.6.2019 jeweils um 19.30 und So, 5.5., So, 12.5.2019 um jeweils 15 Uhr

Kostprobe: Mi, 24.4.2019

Nachklang für Studenten: Mi, 8.5.2019

Nachgespräch: Fr, 24.5.2019

Aftershow-Party: Sa, 15.6.2019

Foto: Ian Whalen