Start Interviews Oper Graz: künftiger Chefdirigent gibt Vorgeschmack

Oper Graz: künftiger Chefdirigent gibt Vorgeschmack

Roland Kluttig Foto: Marco Borggreve

Mit „König Roger“ gastiert Dirigent Roland Kluttig bereits zum dritten Mal in der Oper Graz und wird ab der Saison 2020/21 die Position des Chefdirigenten bekleiden. „Achtzig“ sprach mit ihm über seine Berufung und Visionen.

Text: Bettina Leitner

Wenn man Ihren beruflichen Werdegang betrachtet, erkennt man schnell, dass Sie Dirigent aus Leidenschaft sind. Was konkret macht diese Leidenschaft aus?

Das Tolle an diesem Beruf ist die Vielfältigkeit: dass Sie sich mit Werken und Epochen auseinandersetzen und sich belesen müssen, auch dass Sie dann mit ganz vielen Menschen unterschiedlicher Berufsschichten und Künste, vor allem in der Oper, zusammenarbeiten; etwa mit Regieteams und dem Orchester, das man in die Klangwelt hineinführen muss. Der Dirigent ist also mitten im musikalischen Geschehen. Er spielt zwar kein Instrument, aber er ist quasi energetisch dabei. Das ist für mich einer der faszinierendsten Aspekte.

Inwieweit kann also ein Dirigent ein Stück interpretatorisch beeinflussen?

Er beeinflusst es immer! Aber man darf auch nicht glauben, dass der Dirigent schließlich das Stück macht. Im besten Falle versucht er das Stück ganz genau zu lesen und dieses genaue Aufnehmen und Verinnerlichen führt gleichzeitig zu einer sehr eigenen und individuellen Deutung. Diese wird auch immer von Person zu Person anders sein, es ist also immer eine persönliche Handschrift erkennbar.

Roland Kluttig
Foto: Marco Borggreve

Sie sind seit 2010 Generalmusikdirektor am Landestheater Coburg und haben mittlerweile in großen deutschen Städten wie Stuttgart, Leipzig oder Frankfurt wie auch in Nizza und Schweden gewirkt. Was sind nun Ihre persönlichen Ambitionen, heuer wieder in der Oper Graz ein weiteres Dirigat zu übernehmen?

Ich habe die Oper Graz vor drei Jahren zum ersten Mal kennengelernt und habe von Beginn an die Arbeit in diesem Hause sehr geschätzt. Einerseits die Zusammenarbeit mit dem Orchester, mit dem Chor aber auch mit dem Leitungsteam des Hauses. Zudem darf ich sagen, dass ich Graz als Stadt sehr schätze und deswegen war es für mich gar keine Frage, wieder hierher kommen zu wollen.

Sie treten in der übernächsten Saison eine bedeutende Nachfolge an, wenn Sie Oksana Lyniv ablösen werden. Was sind hierbei die persönlichen Ziele für Ihre neue Position als Chefdirigent? Was ist Ihnen besonders wichtig?

Erstmal will ich im Moment Graz noch genauer kennenlernen und spüren, wohin man hier will. Ich habe auch schon einige Großprojekte im Kopf, aber ich möchte zuerst noch herausspüren, was das Theater, die Stadt und die Oper hier brauchen. Wenn wir in einer größeren Stadt wie Graz arbeiten, müssen wir dafür sorgen, dass Oper und Konzert weiterhin wichtige Elemente des Kulturlebens bleiben, denn bedauerlicherweise ist dies heute nicht mehr so selbstverständlich wie noch vor 50 Jahren. Aus diesem Grunde sehe ich hier die Vermittlung in allen möglichen Formen als einen ganz wesentlichen Bestandteil unserer Arbeit. Wir dürfen uns demnach auch nicht als reine Kunsteinrichtung sehen, sondern müssen uns auch als pädagogisches Institut verstehen. Gerade hierfür möchte ich mich in Zukunft auch stark machen.

Gerade jüngeres Publikum ist heute nicht mehr so opernaffin. Was würde es Ihrer Meinung nach brauchen, um diese Zielgruppe wieder näher an die Oper heranzuführen?

Ich habe selbst die Erfahrung gemacht, dass man insbesondere Schülern die Möglichkeit geben muss, diesen Theaterbetrieb und auch die Entstehung von Produktionen kennenzulernen. Nur das fertige Produkt vorzusetzen ist hier nicht zielführend. Ich begrüße es sehr, dass es in der Oper Graz eigene Programmpunkte exklusiv für junges Publikum gibt und genau das ist auch der Weg, den es braucht. Wenn wir ihnen die schillernden Facetten, die unterschiedlichen Opernberufe näherbringen und auch die damit verbundenen spannenden Herausforderungen aufzeigen, ist es gut möglich, dass sogar der eine oder andere seinen Berufswunsch noch einmal überdenkt. Das ist jedoch nicht mit einem kleinen Projekt getan, das bedarf kontinuierlicher Arbeit. Auch das ist mir persönlich ein großes Anliegen.

Roland Kluttig
Foto: Marco Borggreve

Nach ihrem Grazer Debut mit „Tristan und Isolde“ und darauffolgend „Ariane et Barbe-Bleue“ folgt nun Szymanowskis „König Roger“. Worin sehen Sie bei diesem Stück die größte Herausforderung als Dirigent?

Szymanowski war einerseits Kosmopolit, und dennoch ist das Stück auf Polnisch komponiert und er selbst ist Pole. Das stellt für die Sänger und mich eine große Herausforderung dar: Zum einen muss man die Sprache korrekt aussprechen und zugleich muss man als Musiker auch lernen, diese Sprache zu empfinden, denn die jeweilige Sprache beeinflusst das Gesamtkonzept und die Musik enorm, ja sogar bis ins kleinste Detail. Aus gutem Grunde sind es oft Muttersprachler, die man hier singen und dirigieren lässt. Da ich selbst nicht Polnisch spreche, ist es nun meine Aufgabe, die Sprache Szymanowskis spüren und kennenzulernen.

Man kann Ihre Begeisterung für das Stück förmlich spüren. Was macht König Roger für Sie so besonders?

Auch wenn der Name Szymanowski und der Titel „König Roger“ noch nicht jedem bekannt sind, handelt es sich um ein äußerst sinnliches Werk, das Oratorium, Mysterienspiel und Oper wunderbar kombiniert. Es gibt eine nahezu rauschhafte Musik, ein beeindruckendes Bühnenbild und außerdem ist das Werk in überschaubarer Länge. Viele Elemente, die opernfremde Personen vielleicht abschrecken könnten, wie eben die Länge, sind hier kein Thema. „König Roger“ bietet sich somit auch gut an, neues Publikum anzusprechen und wird gewiss Lust auf mehr machen.

Weitere Termine: Fr, 5.4., So, 28.4., Sa, 4.5.2019

Tickets: Ticketzentrum Kaiser-Josef-Platz 10, tickets@ticketzentrum.at, www.ticketzentrum.at

www.oper-graz.com