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Günter Meinhart im Interview: Im Takt

Günter Meinhart Foto: Kurt Remling

Günter Meinhart sieht sich als Vermittler von Wissen und Förderer einer Diskussion, die sich mit der intensiven Handwerksschule bzw. dem klassischen Musikbegriff gegenüber den Entwicklungen in der Neuen Musik, die gänzlich andere Definitionen anbietet, auseinandersetzt. Wir waren neugierig und haben ihn um ein Gespräch gebeten.

Was macht für Sie die Faszination dieser Instrumentengruppe aus?

Das Schlaginstrumentarium ist ein weltweites Instrumentarium. Es gibt fast keine Kultur, die nicht zumindest ein Schlagwerk erfunden hat. Es ist einfach, doch trotz dieser Einfachheit in der Erzeugung bietet sich uns eine Unendlichkeit des Klangspektrums: Angefangen bei einfachen Trommeln über ethnische Melodie-­Instrumente wie afrikanische Balafone hin zu indonesischen Gamelan oder burmesischen Gongs, die gestimmt sind. Eine derartige Vielfalt, die genial in die europäische Neue Musik eingeflossen ist – das hat mich immer beeinflusst.

Was hat es mit dem Effekt eines Schlagzeugs auf sich?

Rhythmus übt eine starke Wirkung aus. Freie Musik bzw. Free Jazz oder Neue Musik ist durchaus rhythmisch manchmal nicht nachvollziehbar. Diesbezüglich gibt es große Unterschiede. Die europäische Neue Musik beschäftigt sich zum Beispiel sehr mit Klang, währenddessen sich die amerikanische sehr dem Rhythmus widmet. Und freie Improvisation wirkt anders als ein Stück mit Rhythmus, das einen Bewegungsdrang auslöst. Das Repertoire beinhaltet stampfende bis hoch komplexe Rhythmen und natürlich gibt es eine enorme klangliche Vielfalt.

Verfügt jeder Mensch über einen Rhythmus, den es lediglich freizulegen gilt?

Nein, es gibt auch arhythmische Menschen, aber das ist überhaupt kein Problem. Es ist völlig egal, ob jemand Talent hat oder nicht. Wenn das Interesse da ist, dann spielt man eben nicht rhythmisch. Man wird Geige spielen können, aber man wird vielleicht falsch spielen. Dann landet man zwar nicht bei den Philharmonikern, hat aber trotzdem Spaß. Ich kann zum Beispiel nicht einmal „Gaberln“, aber ich bin leidenschaftlicher Hallenfußballer. Also ich habe null Talent für Fußball, aber ich spiele es gern.

Wie schwer ist es, sich als Schlagzeuger durchs Leben zu schlagen?

Sehr schwer. Werfen wir einen Blick auf den orchestralen Bereich: Es werden natürlich mehr Geiger gebraucht als Schlagzeuger und die Anforderungen sind unglaublich hoch. Das Niveau, das verlangt wird, ist enorm. Viele scheitern mit ihrer Vorstellung, Teil eines Orchesters zu werden. Flexibilität ist gefragt: Eigeninitiative und projektorientiertes Denken und Arbeiten sind hilfreich. Auf diesem Gebiet tut sich sehr viel, dennoch steht der Aufwand meist in keinem Verhältnis zum finanziellen Gewinn.

Welche Gründe gibt es für dieses Missverhältnis?

Das hängt unter anderem mit der extremen Diskrepanz hinsichtlich der Wertschätzung von klassischer Musik gegenüber allen anderen Musikformen zusammen. Mein dringender Aufruf daher: der Nachfrage entsprechende Redimensionierung der traditionellen Kulturdampfer und zugleich Schaffung von dringend notwendigen, fixen Arbeitsplätzen im Bereich innovativer Kultureinrichtungen und kleinerer Strukturen. Ich würde mich freuen, bei unserem Arbeitspensum wenigstens 1 administrative Vollzeitstelle finanzieren zu können. Leider unmöglich.

Wie viele Jahre dauert es, um ein gut ausgebildeter Schlagzeuger zu sein?

Es kommt natürlich darauf an, wie viel Zeit man investiert. Ein sinnvolles Alter, um mit dem Spielen zu beginnen, sehe ich bei ca. 8 Jahren. Die Ausbildung hängt mit Rhythmus, Gleichmäßigkeit und Motorik zusammen und das ist bei jüngeren Kindern noch nicht so ausgeprägt. Arbeitet man dann kontinuierlich, wird man zu Studienabschluss eine Praxis am Instrument im Ausmaß von ca. 16 Jahren aufweisen können, um dann eventuell in der vorderen Liga mitspielen zu können. Diese Zeit braucht man. Doch es lohnt sich!