Start Featureshome „Kiss Me, Kate“: Oper Graz zeigt Cole Porters Meisterwerk

„Kiss Me, Kate“: Oper Graz zeigt Cole Porters Meisterwerk

Foto: Marie Noëlle Robert

Katja Berg (Lilli Vanessi), die schon in „Ragtime“ und „Chess“ begeistert hat, über persönliche Ambitionen, menschliche Gefühle und die bewegenden Schicksale in Cole Porters Erfolgsmusical.

Lilli Vanessi kommt schlussendlich mit ihrem Ex-Freund zusammen und durchläuft vorher starke Emotionen von Hoffnung, Eifersucht und Hass. Wie sehr fühlt man als Künstlerin mit der Figur, die man verkörpert, mit, zumal das alles nur zu menschliche Gefühlsregungen sind?

Da krame ich aus 25 Jahren Erfahrung in Sachen Beziehungsstress, erste Liebe, Heirat, One-Night-Stands, Liebeskummer und so manchen kommunikativ interessanten Auseinandersetzungen mit dem männlichen Geschlecht. Die Arbeit an der Figur Lilli wird also für mich auch eine Reise in die Vergangenheit.

Gibt es für Sie als Schauspielerin und Sängerin in diesem Stück eine besondere Herausforderung, und welchen Bezug haben Sie persönlich zu „Kiss Me, Kate“?

Die Rolle der Lilli/Kate stand schon immer auf meiner „Rollenwunschliste“ und ich bin sehr dankbar, dass die Oper Graz mir diese Chance gibt. Besonders freue ich mich auf die Herausforderung des Spagats zwischen der liebenden sensiblen Lilli, die erkennt, dass sie ihren Ex-Mann immer noch liebt, und der kratzbürstig eifersüchtigen Lilli, die in ihrem Stolz, ihrem Ego und in ihrem Herzen tief verletzt ist.

Foto: Marie-Noëlle Robert

Das Stück imponiert mit optischer Opulenz, üppigen Kostümen und einer rasanten Choreografie. Doch inwieweit unterstützt die Musik die Handlung und transportiert die Gefühle?

Die Musik von Cole Porter ist mitreißend und unterstützt die verschiedenen Ebenen der Szenen sowohl auf als auch hinter der Bühne; bemerkenswert sind hier beispielsweise die musikalische Fallhöhe vom Duett Wunderbar und Lillis Nummer So in Love in verträumter, verliebter Seligkeit und die tonale, klassische Musicalhöhe, verglichen mit dem provokanten Chanson-Stil von I Hate Men.

„Kiss Me, Kate“ präsentiert sich als „Stück im Stück“. Den Zuschauern begegnen Gangster, Gewalt, Hass, Schulden und durch Lois Lane Elemente des Rotlichtmilieus. Wie weit relativiert die fiktionale Ebene diese moralisch verwerflichen Elemente, oder will das Stück gerade mit ihnen provozieren?

Ich denke weder noch. Als Zuschauerin faszinierten mich einfach die Gegensätze zwischen dem Treiben auf der Bühne und hinter den Kulissen. Die Fähigkeit oder Unfähigkeit von Künstlern, den Beruf vom Privatleben zu trennen, die Machenschaften im Showbusiness, der doppelte Boden der Moral, die Verstrickungen im Hintergrund und der schöne Schein, der dem Publikum vorgegaukelt wird. Und das alles auf dem wunderbar spitzzüngigen Teppich von Shakespeares Der Widerspenstigen Zähmung. In Kiss Me, Kate darf der Zuschauer auf unterhaltsame Weise ein bisschen Voyeur spielen – also eine, wie ich finde, spannende Art der Provokation.

Foto: Marie-Noëlle Robert

 

„Kiss Me, Kate“: Premiere – Sa., 20. Oktober, 19.30 Uhr, Opernhaus Graz