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Iris Laufenberg: Schwerpunkt Gegenwartsdramatik

Foto: Lupi Spuma

Mit Iris Laufenberg steht dem Schaupielhaus eine Intendantin vor, die nach Stationen in Berlin und Bern nun dem Grazer Stadttheater einen neuen Anstrich gibt. Mit Schwerpunkt auf Gegenwartsdramatik und einem theatralischen Eröffnungsfeuerwerk startet Sie in ihre erste Spielzeit. Wir sprachen mit ihr über das Flechten von Zöpfen, Grenzgänge und das liebe Geld…

Die Hauptbühne des Grazer Schauspielhauses - HAUS EINS Foto: Lupi Spuma
Die Hauptbühne des Grazer Schauspielhauses – HAUS EINS
Foto: Lupi Spuma

Was erwarten Sie sich vom österreichischen, vom Grazer Theater?

Ein aufgeschlossenes, emotionales und energiegeladenes Publikum!

Welchen Ruf genießt das Grazer Schauspielhaus im deutschsprachigen Raum?

Es hat tatsächlich weit über Graz hinaus einen guten Ruf. Aus der Perspektive des deutschsprachigen Raums ist es sicherlich – nach Wien – die interessanteste Theaterstadt Österreichs und ich glaube schon, dass das in der deutschsprachigen Theaterlandschaft so wahrgenommen wird.

Iris Laufenberg
Iris Laufenberg

Was gilt es zu verbessern?

Genau daran weiterarbeiten! Ich will Theater für Graz machen, aber eine Aufmerksamkeit darüber hinaus wecken und diese aufrechterhalten. Dafür braucht man ein klares Profil – in unserem Fall mit einem Schwerpunkt auf zeitgenössische Autorinnen und Autoren. Wir haben natürlich Klassik und auch musikalische Abende im Programm – unser Hauptaugenmerk liegt aber ganz klar auf der Gegenwartsdramatik. Unser HAUS ZWEI etwa, die ehemalige Probebühne, ist nur für sie reserviert.

Wie viel „Graz“ steckt im Schauspielhaus bzw. wie wichtig ist frischer Wind?

Viel Graz steckt im Schauspielhaus! Einige kommen zurück, einige Publikumslieblinge sind nach wie vor hier. Den Betriebsdirektor aus Bern, geborener Steirer, konnte ich wieder nach Hause holen. Ich sehe das wie einen Zopf, den man flechtet. Es gibt drei wichtige Stränge: Da sind die, die mit mir von Bern nach Graz kommen – seien das nun Österreicher, Deutsche oder Schweizer. Der zweite Strang sind die, die hier sind und hier bleiben und der dritte sind Menschen aus den unterschiedlichsten Häusern, die gemeinsam ein Team formieren. Das zu verflechten wird eine Menge Kräfte freisetzen.

Die Dramaturgen Elisabeth Geyer, Karla Mäder und Jan Stephan Schmieding mit Iris Laufenberg.
Die Dramaturgen Elisabeth Geyer, Karla Mäder und Jan Stephan Schmieding mit Iris Laufenberg.

Wie lange soll es dauern, bis man Ihre Handschrift erkennen kann?

Als ich mit Theater angefangen habe, hieß es, bis eine Intendanz richtig in Fahrt kommt, braucht man fünf Jahre. Aus dieser Faustregel wurden drei Jahre und mittlerweile ist der Druck so groß, dass man das Gefühl hat, wenn man in den ersten 100 Tagen nicht deutlich macht, was man will, und dass man die Leute begeistern kann, dann läuft man dem lange hinterher. Viel Zeit bekommt man einfach nicht. Ich denke aber, dass unser Eröffnungsfest und die ersten Premieren mit „Merlin oder ‚Das wüste Land‘“ von Tankred Dorst und „Zersplittert“ von Alexandra Badea (am 24. und 25. September) ganz klare Statements sind. Beide Stücke haben den Finger am Puls der Zeit.

Die Puppen für "Merlin oder Das wüste Land" sind geschnitzt.
Die Puppen für „Merlin oder Das wüste Land“ sind geschnitzt.

Die öffentliche Hand kürzt zunehmend Kulturbudgets. Wie steht es um das Schauspielhaus Graz?

Es ist ordentlich gespart worden, die Zeit der klammen Kassen, und da musste natürlich auch das Stadttheater schlanker werden. Aber man darf schon sagen, dass das Schauspielhaus Graz sehr schlank geworden ist und viele Schauspieler sind erstaunt, welch guten Ruf das Haus trotz der aktuell dünnen finanziellen Decke genießt.

Das Eröffnungsfest „Grenzgänge“ am 12. September wartet gleich mit 13 Uraufführungen auf.

Schauspielhaus Graz_außen (c) Lupi Spuma_039 (Medium)Wir werden beim Eröffnungsparcours 13 Stücke vorstellen, die extra für Graz geschrieben worden sind. Es soll auch ein Tag der Begegnung sein, an dem sich Publikum und Autorinnen und Autoren untereinander kennenlernen. Am Sonntag, dem Tag darauf, wird es dann um 12 Uhr im HAUS DREI das Katerfrühstück geben, in dessen Rahmen die Autoren dem Publikum Frage und Antwort stehen werden.

Wie wird der Parcours aussehen?

Wir zeigen Kurzstücke, die von unseren Regisseuren inszeniert wurden und nicht länger als 15 Minuten dauern werden. Man geht durch das Haus und an jeder Spielstätte, die wir benützen dürfen – und da werden auch ein paar interessante Überraschungen wie die Unterbühne oder der Parkplatz dabei sein – wird gespielt. Somit können in einer Stunde vier Stücke gesehen werden. Am Ende treffen sich alle auf der Bühne, wo unsere Schauspieler vorgestellt werden.

Iris Laufenberg (c) Lupi Spuma_33_klein (Medium)
Iris Laufenberg (c) Lupi Spuma

Text: Wolfgang Pauker