Start Interviews Christian Buchmann über Kultur-Förderungen: „Ich verstehe, dass gekürzte Initiativen enttäuscht sind“

Christian Buchmann über Kultur-Förderungen: „Ich verstehe, dass gekürzte Initiativen enttäuscht sind“

Mit Christian Buchmann behält die steirische Kulturszene ihren Kulturlandesrat der letzten Jahre auch nach den Landtagswahlen. Mehr noch: Neben Wirtschaft und Kultur ist Buchmann nun auch für den Tourismus auf politischer Ebene verantwortlich. „Achtzig“ sprach mit ihm über neue Möglichkeiten, zukünftige Projekte und wie Kunst die Stärken der Steiermark ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken soll.

Einige Kunsteinrichtungen und Initiativen wurden bei den langjährigen Förderverträgen vor kurzem drastisch gekürzt. Wie stehen Sie zur Entrüstung in der lokalen Szene?

Es war mir ein Anliegen, möglichst vielen Institutionen und Projekten der freien Szene Planungs- und Finanzierungssicherheit für die nächsten drei Jahre zu ermöglichen. Es wurden über 200 Projekte für einen mehrjährigen Fördervertrag eingereicht. Der Förderwunsch lag insgesamt bei über zehn Millionen Euro pro Jahr. Damit war klar, dass wir aus budgetären Gründen nicht alle Wünsche erfüllen können. 162 Initiativen erhalten einen mehrjährigen Fördervertrag. Das sind um acht mehr als in der vergangenen Periode. Ich habe auch immer gesagt, dass ich bei der Fördersumme nicht kürzen will. Wir loben mit 6,6 Millionen Euro pro Jahr um 1,7 Prozent mehr aus als bisher. Ich verstehe natürlich, dass diejenigen, die von einer Kürzung betroffen sind, enttäuscht sind. Die Expertise des Kulturkuratoriums war für mich allerdings nachvollziehbar.

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„Ich verstehe natürlich, dass diejenigen, die von einer Kürzung betroffen sind, enttäuscht sind.“



Wird sich unter der neuen Landesregierung die kulturpolitische Richtung verändern?

Wer das Regierungsprogramm liest, der wird beim Thema „Kultur“ meine Handschrift erkennen. Es bleibt weiterhin das große Ziel, die Kunst- und Kulturentwicklung in der Steiermark maßgebend zu stärken. Dazu gehören unsere großen „Kultur-Tanker“ mit dem Universalmuseum und den Bühnen, unsere Festivals und natürlich auch die vielen kleinen Initiativen.

Für die freie Szene wollen wir das Call-Modell verstärken, um ihr die Möglichkeit zu geben, Projekte umzusetzen. Auch das Thema Internationalisierung wird weiterhin forciert. Es ist einiges am Laufen. Sollte es das Landesbudget zulassen, werde ich darüber hinaus einige Leuchtturmprojekte setzen.

Wie sehr wird das Tourismus-Ressort Ihre Arbeit als Kulturlandesrat beeinflussen? Wird Kultur nun verstärkt als Aushängeschild etabliert?

Es ist zweifellos eine Bereicherung, dass die Wirtschaft jetzt auch den Tourismus umfasst. Daraus werden sich für die Kultur einige Synergien ergeben. Ich bin mit dem Geschäftsführer des Steiermark Tourismus bereits im Gespräch und wir sind uns einig, dass wir gemeinsam den Kulturtourismus stärken wollen.

Wie lässt sich dieser ankurbeln? Und vor allem auf welchen Märkten?

Zum einen haben wir die Steirer vor Ort zu sensibilisieren und abzuholen. Aber genauso müssen wir über die Landesgrenzen hinausschauen. Kunst- und Kulturinteressierte aus dem übrigen Österreich zählen zu den wichtigsten Gästen für unsere Region. Ich sehe auch ein riesiges Potenzial in Deutschland und Italien. Rumänien, Kroatien oder Slowenien sind auch interessant. Ich denke, wir könnten mit Paketen gut punkten. Sie sollen ein Mix aus Veranstaltungen, Ausstellungen und Führungen sein.

 Ein Mammut-Projekt in Ihrer neuen Regierungsperiode wird die Steiermark-EXPO sein. Was darf sich die Steiermark darunter vorstellen?

Gleich vorweg: Es handelt sich um keinen Nachfolger der Landesausstellung. Die EXPO soll ein Aufzeigen der Steiermark im internationalen Kontext sein. Ihre Besucher sollen erfahren, wie innovativ unsere Region ist, welche außergewöhnlichen Produkte und Dienstleistungen vor Ort produziert werden. Es soll auch ein Querschnitt über unsere maßgebenden Einrichtungen gezeigt werden, zum Beispiel Forschungszentren und Bildungseinrichtungen. Auch soziale Innovationen sollen sichtbar gemacht werden. Das Ganze soll mit den Mitteln der Kunst präsentiert und umgesetzt werden. 

Wird die EXPO über das Kulturbudget finanziert werden? Und um wie viel Geld geht es eigentlich?

Unter fünf Millionen Euro werden wir die EXPO nicht auf die Beine bekommen. Optimal wären an die zehn Millionen. Es ist klar, dass solche Summen nicht mit dem Kulturbudget finanziert werden können. Das muss ein Projekt der gesamten steirischen Landesregierung sein, bei dem alle eingebunden werden. Im Herbst kommen die Budgetverhandlungen. Dann werden wir sehen, was möglich ist. Die EXPO ist auch nicht jährlich angedacht, sondern alle zwei, oder drei Jahre.


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Keine einzige Partei – außer der ÖVP – hatte bei den vergangenen Landtagswahlen das Thema „Kultur“ im Wahlprogramm. Was sagt das über den Stellenwert der Kultur in der steirischen Politik eigentlich aus?

Ehrlich gesagt, habe ich diese Tatsache bedauert. Ich hätte mir von den anderen mehr Impulse gewünscht, aber es ist offenbar leichter für manche mit Lippenbekenntnissen zu agieren. Die ÖVP hat der Kultur im Gegensatz zu den anderen Parteien schon aus Tradition heraus ihren rechtmäßigen Platz eingeräumt. Da die ÖVP immer schon die steirische Politik maßgebend geprägt hat, hat auch die Kultur immer eine wichtige Rolle gespielt. Das wird sich nicht ändern.

Text: Stefan Zavernik